Regionalität

„Ein Wirt findet einen 500-Euro-Schein. Hiervon besorgt er sich beim Dorfmetzger Fleisch für sein Wirtshaus. Um seinen Nachschub zu decken, kauft der Metzger mit demselben Schein Schweine beim Landwirt im Ort. Von diesen Einnahmen lässt sich der Landwirt seinen Traktor für 500 Euro beim örtlichen Mechaniker reparieren. Der Mechaniker kauft sich darauf neue Möbel im Wert von 500 Euro beim Schreiner vor Ort. Der Schreiner ist dadurch in der Lage, die kleine Hochzeitsfeier seiner Tochter beim Wirt ausrichten zu lassen. Die 500 Euro sind damit wieder zum Wirt zurückgekehrt. Auf dem Weg zur Bank geht dem Wirt der 500-Euroschein verloren. Die finanzielle Ausgangssituation ist wiederhergestellt: Zuvor war das Geld nicht vorhanden, und am Ende ist es nicht mehr vorhanden. Jedoch hat der Metzger Schweine, der Traktor des Landwirts ist repariert, der Mechaniker hat neue Möbel, die Tochter des Schreiners ist verheiratet und der Wirt hat Fleisch für seine Gäste. Durch die hohe Umlaufhäufigkeit ist eine regionale Wirtschaftsleistung von 2.500 Euro entstanden. Hätte der Metzger sein Fleisch „importiert“, dann hätte der Landwirt immer noch einen kaputten Traktor, der Mechaniker alte Möbel und die Tochter des Schreiners wäre noch nicht verheiratet.“

(QUELLE: DER KRITISCHE AGRARBERICHT 2009, S. 169)

 

Auch wenn diese Geschichte sehr vereinfacht (und im Übrigen nicht gerade gendersensibel) geschrieben ist, verdeutlicht sie doch, wie innerhalb von Regionen Wohlstand erzeugt werden kann. Und dies nur, weil die einzelnen AkteurInnen sich entschieden haben, Regionalität anstatt Kaufpreis an die erste Stelle ihrer Kaufentscheidung zu stellen.

 

Beim Lesen der Geschichte tauchen dennoch schnell Einwände auf. Das kann zum Beispiel sein: zu kleines, unvollständiges und schwankendes Warenangebot, fehlende Spezialisierung, eingeschränkter Wettbewerb, Produkte zu teuer, wie zu Omas Zeiten, Mengenvorteile können nur schwer realisiert werden, mit heutigen Betriebsgrößen und Vertriebsstrukturen gar nicht möglich, in Zeiten des Internet unmöglich, stagnierender Markt, beschränkte Wachstumsmöglichkeiten, und, und, und …

 

Ist also bereits alles schon zu spät? Können wir nicht mehr zurück zu regionalerem Wirtschaften? Und wenn, welcher Vorteil ergäbe sich denn daraus?

 

WAS SAGT DIE KLJB DAZU?

Seit vielen Jahren sieht die KLJB in der Stärkung regionaler Strukturen ein tragfähiges Zukunftsmodell. Die regionale Herkunft der Produkte ist uns wichtig, um regionale Läden und Märkte zu unterstützen. Wir sind bereit, Preise zu zahlen, die die Produktionskosten decken, und schätzen die Werte, die in der Region geschaffen wurden. Dadurch vermeiden wir ganz nebenbei lange Transportwege und den damit verbundenen CO2-Ausstoß.

 

Statt eines möglichst liberalisierten Welthandels fordern wir, dass die Vermarktung von Lebensmitteln, aber auch von anderen Waren so nah wie möglich am Produktionsstandort geschieht. Nur Produkte, die regional nicht oder nicht ausreichend unter natürlichen Voraussetzungen produziert werden können, sollen importiert werden. Bei Lebensmitteln ist die logische Konsequenz, dass wir saisonale Produkte bevorzugen.

 

Die regionale Versorgung gewährleistet, fördert und erhält kleine und mittlere Strukturen der Lebensmittel-, Waren- und Dienstleistungsproduktion. Außerdem fühlen die Menschen sich stärker verbunden mit der Kulturlandschaft, in der sie leben, und mit den Menschen, die ihre Lebensmittel anbauen. Die Herstellung erfolgt in Übereinstimmung mit den kulturellen Gegebenheiten der jeweiligen Region. Dies beinhaltet auch einen verantwortungsvollen Umgang mit den natürlichen Ressourcen. Diese Grundsätze müssen sowohl für regionale als auch für aus anderen Ländern importierte Produkte gelten.

 

Um bewusste Kaufentscheidungen treffen zu können, muss man ausreichend über die Produktion, Weiterverarbeitung und Vermarktung informiert sein. Dies gewährleisten regionale Strukturen. Deshalb müssen die Werte und Inhalte einer regionalorientierten Land- und Warenwirtschaft Inhalt von Bildung und Ausbildung sein.