Ernährungssouveränität

Hunger ist ein Verteilungsproblem. Obwohl weltweit genug Nahrungsmittel produziert werden, leiden über 900 Millionen Menschen an Hunger. 80 Prozent der Hungernden leben auf dem Land – also da, wo Nahrungsmittel produziert werden. Ein Großteil der Landbevölkerung hat jedoch keinen Zugang zu wichtigen Ressourcen wie Land, Wasser und Saatgut. Die zunehmende Liberalisierung des Agrar- und Nahrungsmittelhandels sowie Preisdumping durch billige Importprodukte zerstören lokale Märkte und somit die Existenzgrundlage vieler Landwirtinnen und Landwirte.  

 

WAS SAGT DIE KLJB DAZU?

Die KLJB und die internationale Landjugendbewegung MIJARC sind überzeugt: Mit dem Konzept der Ernährungssouveränität können Hunger und Armut bekämpft und ländliche Räume weltweit gestärkt werden. Grundlegend ist das Recht aller Nationen, ihre Landwirtschafts- und Ernährungspolitik selbst zu bestimmen, mit dem Ziel, die eigene Bevölkerung mit ausreichender, gesunder und kulturell angepasster Nahrung zu versorgen. Ernährungssouveränität zum Wohle der einheimischen Bevölkerung wird erreicht, wenn die Regierungen die einheimische Produktion und regionale Wirtschaftskreisläufe fördern. Dafür müssen Nationen die Möglichkeit haben, sich vor Billigimporten (beispielsweise Milchpulver, Tomatenmark oder Hähnchenschenkel aus der EU) zu schützen. Auf diese Weise werden lokale Märkte gestärkt und das Überleben kleinbäuerlicher Landwirtschaft gesichert. Für die Produzierenden vor Ort bedeutet Ernährungssouveränität zunächst einmal, selbst über ihren Anbau bestimmen zu können. Dies erfordert, dass sie Zugang zu den lokalen Ressourcen, insbesondere zu Wasser und Land, haben. Dass das Saatgut für sie frei verfügbar ist. Dass sie Zugang zu den lokalen Märkten haben und für ihre Erzeugnisse Preise erzielen, die die Produktionskosten decken, von denen sie leben können. Das Wort Souveränität weist darauf hin: Wichtig ist, dass sich alle Menschen frei entscheiden können: Als Produzierende, was sie anbauen möchten, als Konsumierende, was sie kaufen wollen. Produktpreis und Produktionsbedingungen fließen in die Entscheidung mit ein. Der Zugang zu Bildung ist elementare Voraussetzung für deren Bewertung und für eine fundierte Entscheidung. Dies gilt insbesondere für Frauen, die häufig den größten Beitrag für die Ernährungssouveränität der Familien leisten. Ernährungssouveränität verstehen wir als Konzept der Veränderung und des weltweiten Umdenkens. Chancen und Ressourcen bleiben nicht auf wenige Menschen konzentriert, sondern alle werden satt und haben teil am weltweiten Reichtum. Ernährungssouveränität bringt jedoch nicht nur für die Menschen in so genannten Entwicklungsländern positive Veränderungen. Die Stärkung der lokalen Lebensmittelproduktion und -verarbeitung bedeutet auch eine Wertschöpfung in ländlichen Regionen Deutschlands, was Arbeitsplätze sichert oder neu entstehen lässt.  

 

WAS HEISST DAS KONKRET UND VOR ORT?

Sich für Ernährungssouveränität weltweit einzusetzen heißt, vor Ort damit anzufangen. Nahrung soll, so weit wie möglich, regional produziert und vermarktet werden. Dies bedeutet nicht, den weltweiten Handel abzuschaffen. Importe und Exporte soll es weiterhin geben, schließlich will ja niemand auf Kaffee und Schokolade verzichten – jedoch zu Bedingungen, die die Ernährungssouveränität der Menschen in den Produktionsländern nicht gefährden. Ein wichtiger Beitrag hin zu Ernährungssouveränität liegt im Konsumverhalten jeder und jedes Einzelnen von uns. „Regional – ökologisch – fair“ ist der Dreiklang, mit dem die KLJB im eigenen Umfeld an der Vision mitarbeitet. Nur eines der Beispiele, wie dies umgesetzt wird, ist das eigens kreierte KLJB-Brot, welches aus regionalem, ökologischem Mehl vor Ort gebacken und mit fair gehandelten Cashewkernen verfeinert wird. So lecker kann es sein, einen Beitrag zur Ernährungssouveränität zu leisten! Mehr zum Thema Ernährungssouveränität erfahrt Ihr im Dialogpapier Ernährungssouveränität, einem Positionspapier und Beschluss der KLJB-Bundesversammlung 2005.